Kinos zwischen Filmriss und Morgenröte
„Die Branche bereitet sich auf den Wiedereinstieg vor – im Cinema Frosch aber bleibt es dunkel“
Selbst wenn die Kinos übernächste Woche ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen, wie vom Bundesrat in Aussicht gestellt, werden zwei Leinwände am Zürcher Predigerplatz nicht mehr aus dem Tiefschlaf geweckt: Blue Cinema, wie die Swisscom-Tochter Kitag neuerdings heisst, gibt den Standort nach knapp dreissig Jahren auf.
Damit hält in der Altstadt, wo die Kinos Nord-Süd und Wellenberg schon vor Jahren verschwunden sind, einzig noch die Arthouse-Commercio-Gruppe mit dem Movie und dem Alba die Stellung. Eine Aufnahme des nun geschlossenen Cinema Frosch ins Portfolio dieser Gruppe ist kein Thema.
Die Frage der Auflagen
Die Pressestelle von Blue Cinema bestätigt die Schliessung und betont, den Entscheid sehr zu bedauern. Die Situation rund um die Pandemie erschwere den Kinobetrieb stark: Man müsse als wirtschaftlich denkendes Unternehmen das Gleichgewicht zwischen Kosten und Nutzen wahren.
Ob das Cinema Frosch tatsächlich als Corona-Opfer gelten kann, ist allerdings ungewiss. Denkbar ist, dass der auslaufende Mietvertrag ohnehin nicht verlängert worden wäre. Das 1976 vom Apollo-Besitzer Anton-Eric Scotoni gegründete Kino, in dem oft Arthouse-Filme gezeigt wurden, fristete seit Jahren eher ein Nischendasein. Seit März 2020 hatte es nicht mehr geöffnet, auch als dies wieder möglich gewesen wäre. Es ist wohl eines der wenigen Kinos in der Schweiz, das seit Beginn der Corona-Krise geschlossen blieb.
René Gerber, Generalsekretär des Branchenverbands Pro Cinema, sieht eine mögliche Wiedereröffnung grundsätzlich positiv. Viele Kinobetreiber wollten so schnell wie möglich wieder starten und Gäste empfangen. Skeptisch ist er jedoch bezüglich der Auflagen. Eine Begrenzung auf maximal fünfzig Besucher pro Vorstellung ergebe wenig Sinn, insbesondere bei grösseren Sälen. Eine Auslastung von lediglich 30 Prozent mache einen kostendeckenden Betrieb kaum möglich. Zudem werde es weiterhin staatliche Unterstützung benötigen. Ein Zwang zur Öffnung dürfe nicht bestehen, solange ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich sei.
Vom Kino zum Hörsaal
Der Rückbau der beiden Säle des Cinema Frosch – der grössere umfasste rund 300 Plätze – ist bereits im Gang. Was künftig mit den Räumlichkeiten geschieht, ist noch ungewiss. Diskutiert wird unter anderem eine Umnutzung zu Hörsälen. Dies erinnert an ähnliche Entwicklungen, etwa beim ehemaligen Kino Alhambra in Bern, das heute von der Universität genutzt wird. Die Zukunft der Kinobranche bleibt insgesamt unsicher. Während viele Betreiber bereit sind, den Betrieb wieder aufzunehmen, bleibt offen, ob das Publikum in gleichem Umfang zurückkehren wird.
Die Erfahrungen nach der Wiedereröffnung im Sommer zeigen, dass die Besucherzahlen teilweise deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen. Neben der Pandemie spielte auch das begrenzte Filmangebot eine Rolle. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass das Kino als kultureller Ort langfristig bestehen bleibt und seine Bedeutung für Film und Gesellschaft nicht verliert. Das Cinema Frosch wurde 1976 durch den Unternehmer Anton-Eric Scotoni gegründet und war über Jahrzehnte Teil der Zürcher Kinokultur.
Kinos zwischen Flimriss (NZZ) / 13.03.2021
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