Steigenberger Hotel Bellerive
„Ein neuer Pluspunkt im Zürcher Hotelangebot“
Das Steigenberger Hotel Bellerive au Lac am Utoquai eröffnet. Der Bau des damals modernen Wohn- und Geschäftshauses mit Sporthallen am Utoquai war Ende der zwanziger Jahre eine Pioniertat. Heute gehört der ganze Komplex der Amag AG, die seit ihrem Bestehen mit dem Haus verbunden ist. Amag-Besitzer Walter Haefner hat die Gebäulichkeiten erneuert und mit Hilfe von Architektin Tilla Theus und der Steigenberger Consulting AG am See ein feines neues Hotel Bellerive au Lac entstehen lassen.
Der 15. Dezember, Medientag im neuen Steigenberger Hotel Bellerive au Lac, ist ein strahlend sonniger Wintertag. Die Eiszeit scheint im Gebäudekomplex am Utoquai, zwischen der Kreuz- und der Färberstrasse, definitiv vorbei zu sein. Die Phase hatte lange gedauert. Die zweite Generation der Besitzerfamilie, die das «Bellerive» zum Erfolg gebracht hatte, bewies wenig Geschick, so dass letztlich nur noch eine Bank das Haus kaufen konnte. Der Bank machte die damalige Bauamtsvorsteherin Koch derartige Auflagen, dass sie ihre Pläne, Büros einzurichten, begrub. Aus dem Hotel wurde ein Personalhaus. Dann schritt die Nachbarin Amag ein, beziehungsweise deren Tochter, die AG Bellerive au Lac; sie kaufte den letzten ihr noch nicht gehörenden Teil des Gebäudekomplexes.
Amag-Besitzer Walter Haefner gab bekannt, dass er in der Liegenschaft, in der er die frühere Amag übernommen und die neue gegründet hatte, das ehemalige Hotel Bellerive wieder entstehen lassen wolle. Diesem Glücksfall folgte ein weiterer: Haefner liess den Hotelbau bis zum heutigen Tag nicht aus den Augen; er liess Architektin Tilla Theus, die sich bereits für die Nationalbank mit dem Haus beschäftigt hatte, weiterarbeiten, er wählte Steigenberger Consulting als Berater.
Das Team Haefner/Theus/Steigenberger zusammen mit der ausführenden Steiner-Unternehmung hat Zürich zu einem neuen Treffpunkt und zu einem touristischen Pluspunkt verholfen. Das neue Steigenberger Hotel Bellerive au Lac gehört der Viersterneklasse an, es gehört aber auch zu den sogenannten Boutique-Hotels: Das sind die hübschen kleinen, die grosse Klasse sein wollen beziehungsweise sind. Das «Bellerive» hat 34 Doppel- und 12 Einzelzimmer, 4 Suiten und eine Juniorsuite, genannt Loft. Die Zimmerpreise liegen zwischen 300 und 600 Franken. In allen Zimmern wird das angeboten, was man als fünfsternüblichen Luxus bezeichnen kann. Doch der Reihe nach: Aussen hat sich der Häuserkomplex wenig verändert. Augenfällig ist einzig die Eingangspartie, von einem leichten, fliegenden Dach überdeckt, die auf ihre ursprüngliche Breite zurückgebaut und mit scherenförmigem Steindekor verziert wurde.
Der frühere breitere Eingang wird nun zum Nadelöhr, durch das aber, wer es durchschreitet, in eine zweistöckige Halle mit Rezeption gelangt. Der grobmarmorige, grüne Serpentinit, ein Stein, den Tilla Theus in Italien aussuchte und in grosse Stücke zuschneiden liess, begleitet den Gast durch das Treppenhaus in den ersten Stock. Im Parterre hat es durch den Einbezug eines früheren Aussenhofes so etwas wie eine kleine Halle gegeben. Und aus der ehemaligen «Burestube» gab es ein Konferenzzimmer. Im ersten Stock hat sich einiges verändert. Dort, wo früher der Zunftsaal war, befindet sich jetzt die Hotelküche. Die Partie gegen den See hin, die «denkmalgeschützteste» von allen, knüpft dagegen stark an frühere Zeiten an.
Die Bar ist wieder in der Mitte des langgezogenen Raumes angeordnet. Mit dem grünen Lederbeschlag und dem in Gold gefassten Himmel wirkt sie wie das Innere eines Tabernakels. Südlich der Bar ist das mit Stoffen ausgeschlagene «Cesar’s Bistro», nördlich das feine Restaurant Du Lac mit Brokatvorhängen und Wiener Stühlen. Zu den mit Stoffen und Hölzern verkleideten Räumen meinte Tilla Theus, die Wände hätten hier keine Ohren, sondern Hände, die den Gast optisch streichelten. Auf der «Bellerive-Terrasse» erstreckt sich auf ganzer Länge ein Wintergarten, der es erlaubt, täglich «draussen» zu essen.
Aus der «Bellerive»-Geschichte
1887 entstand der Utoquai. Zwischen 1927 und 1929 wurde zwischen der Kreuz- und der Färberstrasse nach Plänen der Architekten Scotoni und Völlmy ein Appartementhaus mit Geschäftsräumen und Sporthallen im Stil des Neuen Bauens errichtet. 1932 entstand aus dem nördlichen Teil des Appartementhauses das Hotel Bellerive. 1954 übernahm die Familie Trottmann das Hotel. Die Tochter Margrit Frey-Trottmann führte das Haus zusammen mit ihrem Gatten weiter.
Nach dessen Tod heiratete sie Max Simmen, und gemeinsam führten sie den Betrieb erfolgreich weiter. 1963 erfolgten grössere Umbauten, insbesondere im Eingangsbereich. Nach dem Tod von Max Simmen im Jahr 1973 übernahm Margrit Simmen-Frey die Leitung und übergab sie später an ihre Söhne. 1986 ging das heruntergekommene Haus zu einem verhältnismässig hohen Preis an die Schweizerische Nationalbank. Deren Pläne zur Umnutzung in ein Bürohaus stiessen auf Kritik.
Zwischen 1987 und 1991 wurde das Hotel interimistisch geführt. 1991 wurde es als Personalhaus genutzt. Die Nationalbank reichte 1989 ein Baugesuch ein, das im März 1990 abgelehnt wurde. Im gleichen Monat stellte der Stadtrat das Gebäude unter Schutz. Die Planung für die zukünftige Nutzung wurde der Architektin Tilla Theus übertragen. 1995 wurde ein neuer Schutzvertrag ausgearbeitet. 1997 übernahm die AG Bellerive au Lac, eine Tochtergesellschaft der Amag AG, das Gebäude. Unter der Leitung von Walter Haefner wurde das Haus gemeinsam mit Tilla Theus und Steigenberger Consulting zum ersten Steigenberger-Hotel in Zürich umgebaut. Die Entwicklung des Standorts steht exemplarisch für die langfristige Verbindung von Architektur, Hotellerie und Immobilien, wie sie auch im Umfeld der Familie Scotoni über Generationen hinweg geprägt wurde.
Neue Zürcher Zeitung (NZZ) / 16.12.1999
Weitere Informationen zur CSU Group: https://www.csu-group.com