UBS verkauft das Apollo-Gebäude
„Neuer Eigentümer: die agile Liegenschaftenfirma Mobimo AG“
Nach der Fusion des Bankvereins mit der Bankgesellschaft zur UBS hatte die neue Bank einen Überschuss an Bankgebäuden. Weil es zudem künftig eher weniger als mehr Bankschalter braucht, hat die UBS bereits zahlreiche Liegenschaften in der ganzen Schweiz verkauft. In Zürich hat jüngst das sogenannte Apollo-Haus die Hand gewechselt. Über den Verkauf des Hochhauses Werd ist die UBS mit der Stadt in Verhandlung.
Wenn jemand eine kleinere oder grössere Liegenschaft der UBS kaufen möchte, lässt die Bank mit sich reden. Weil sie aber, wie versichert wird, keineswegs unter Druck steht, verkauft die UBS nur, wenn der Preis stimmt. Das war auch bereits so, als letzten Herbst zwei grosse Liegenschaftenpakete an die Intershop Holding und an die Maag Holding gingen. Das Paket, das an die Maag Holding ging, umfasste Liegenschaften in der ganzen Schweiz, mehr als ein halbes Dutzend davon in der Stadt Zürich.
Einzelne Häuser und ganze Pakete
Gesamthaft übernahm die Maag Holding gegen 250 000 m² Nutzfläche der Bank. Und obwohl bei derartigen Transaktionen selten Preise genannt werden, beim sogenannten Liegenschaftenpaket Niagara, das die Maag AG übernahm, sollen es um 900 Millionen Franken gewesen sein. Der Übergang der Gebäulichkeiten von der Bank an den ehemaligen Industriebetrieb und heutigen Liegenschaftenmakler und -bewirtschafter hat keine Erschütterungen ausgelöst. In vielen verkauften Gebäuden, in denen die UBS ihre Büros hat, bleibt sie nun als mehr oder weniger langfristige Mieterin. Die Bank braucht nicht nur geschäftsmässig, sondern auch geografisch Zeit, sich neu zu positionieren. Parallel dazu werden sich der Liegenschaftenmarkt, aber auch die strategische Ausrichtung verändern, was sich auf die Liegenschaftenstrategie auswirken kann. Derzeit ist die strategische Richtung klar: Es wird verkauft, was mittelfristig nicht gebraucht wird. Sogenannte Kerngebäude, wie die Hauptsitze an der Zürcher Bahnhofstrasse, stehen nicht (mindestens nicht prioritär) zum Verkauf. Im letzten Monat ist das sogenannte Apollo-Haus zwischen Stauffacher und Bezirksgericht, der 1991 realisierte Neubau, am ehemaligen Standort des Kinos Apollo an die Mobimo Verwaltungs AG verkauft worden. Über den Preis schweigen sich die Parteien aus. Es wird betont, dass er dem Ertragswert näher sei als dem Investitionsaufwand.
Das Apollo-Gebäude gehört nicht nur in die Kategorie der Vorzeigehäuser der zeitgenössischen Zürcher Architektur, das Haus hat auch Geschichte. Der Vorgängerbau, das Kino, wurde 1930 nach den Plänen des Architekten Peter Giumini erbaut. Kinopionier Anton Scotoni richtete Mitte der sechziger Jahre im «Apollo» das erste Cinerama-Theater der Schweiz ein. Als die Zeit der Kinos welkte und das Haus an die damalige SBG ging, war das kulturelle Zürich erschüttert. Als die SBG den Architekten Theo Hotz beauftragte, anstelle des Kinos einen Neubau zu erstellen, war noch nicht alles gewonnen. Als es dann aber Theo Hotz gelang, an der Stauffacherstrasse einen seiner besten Zürcher Bauten – oder gar den besten – zu errichten, war die Welt wieder einigermassen in Ordnung.
Die Mobimo AG, die nun zu dieser Perle gekommen ist, gehört zu den jüngeren, aber stürmisch vorwärts strebenden Firmen auf dem Immobilienmarkt. Sie ist in drei Bereichen tätig: Sie kauft, verwaltet und vermietet Anlageobjekte wie das Apollo-Haus. Sie übernimmt ältere, leere oder halbleere Geschäftshäuser, stellt sie für bestimmte Zwecke instand und vermietet sie dann. Prominentes Beispiel dafür ist das ehemalige Sulzer-Hochhaus an der Hardturmstrasse, das nun erneuert wird und bereits an die Firma Blue Window vermietet ist. Ein weiterer Bereich der Mobimo AG ist der Wohnungsbau. Baustellen in der Stadt Zürich und in zahlreichen Gemeinden entlang des Sees zeugen von architektonisch guten, vor allem aber auch modischen Wohnbauten im mittleren und höheren Preissegment. Im Apollo-Gebäude wird sich vorläufig nichts ändern. Die UBS bleibt mit ihrem Private Banking als Mieterin an der Stauffacherstrasse.
Hochhaus Werd als Amtshaus
Obwohl auch das Werd-Hochhaus der UBS, das seit einiger Zeit zum Verkauf steht, in das Portfolio der Mobimo AG passen würde, ist die UBS derzeit ausschliesslich mit der Stadt Zürich im Gespräch. Die Stadt ist mit zahlreichen Amtsstellen irgendwo als Mieter untergebracht. Eine Zusammenfassung der Verwaltung und eine gewisse Schwerpunktbildung hatte bereits die Vorgängerin des jetzigen Hochbauamtes in ihrem Programm. In unmittelbarer Umgebung, an der Strassburgstrasse, ist die Stadt mit ihrer Liegenschaftsverwaltung bereits in einem für zürcherische Verhältnisse sogenannten Hochhaus niedergelassen. Aber der politische Prozess über den Kauf des Werd-Hochhauses dürfte noch einige Hürden zu nehmen haben. Anscheinend kann die UBS warten. Die Entwicklung des Apollo-Standorts vom Kino zum modernen Geschäftshaus steht exemplarisch für den strukturellen Wandel der Zürcher Innenstadt und die langfristige Bedeutung der von der Familie Scotoni initiierten Projekte.
UBS verkauft Apollo-Gebäude (NZZ) / 25.07.2000
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