Kinokrieg oder Kinohandel
„Vor 100 Jahren öffneten in Zürich die ersten «Kinematographen-Theater» ihre Tore. Seither wurden zahlreiche Kinos eröffnet und wieder geschlossen – von einfachen Sälen bis hin zu grossen Film-Palästen“
Ein einziges Kino aus dem Jahr 1907 hat bis heute überlebt: das «Radium» im Niederdorf. Ursprünglich richtete es sich auch an Familienpublikum. Für einen Franken erhielt man ein Ticket für den besten Platz. Schon früh entwickelte sich Zürich zu einem wichtigen Standort für die neue Filmkultur. Weitere Pionierbetriebe waren unter anderem das «Odeon» am Limmatquai oder die «Elektrische Lichtbühne Zentral».
Das Interesse an den bewegten Bildern war gross, teilweise so gross, dass die Polizei wegen überfüllter Säle eingreifen musste. Gleichzeitig war die Branche mit strenger Zensur konfrontiert, gegen die sich die Betreiber gemeinsam organisierten. Auch der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm verlief nicht reibungslos. So wurde dem Kino Apollo 1929 zunächst per gerichtlicher Verfügung die Aufführung von Tonfilmen untersagt. Das Publikum reagierte später jedoch begeistert auf die neue Technik.
Kinoboom ab 1954
Zwischen 1954 und 1963 erlebte Zürich einen regelrechten Kinoboom. In dieser Zeit existierten zahlreiche grosse Kinos mit über 1000 Sitzplätzen. Premieren von Hollywood-Filmen wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen, oft in Anwesenheit internationaler Filmstars. In der Blütezeit verfügte Zürich über rund 45 Kinos mit insgesamt etwa 24 000 Sitzplätzen. Die Nachfrage war entsprechend hoch, mit mehreren Millionen Kinobesuchen pro Jahr. Mit dem Aufkommen des Fernsehens ab den 1960er-Jahren begann die Bedeutung der Kinos langsam zu sinken. Zunächst verschwanden kleinere Säle, später auch grosse Kinos an zentralen Lagen.
Ein prägendes Ereignis war 1988 der Abriss des Kino Apollo am Stauffacher. Trotz Widerstand aus Kultur- und Wirtschaftskreisen konnte das Kino nicht erhalten werden. Der Saal war insbesondere für seine grosse, halbrunde Leinwand bekannt. Bereits zuvor war es in den 1980er-Jahren zum sogenannten «Zürcher Kinokrieg» gekommen, bei dem sich die Marktstrukturen der Branche neu ordneten. Der Unternehmer Anton-Eric Scotoni zog sich 1985 aus dem Kinogeschäft zurück und verkaufte seine Kinokette.
In den folgenden Jahren kam es zu einer Konzentration im Markt. Die Kino-Theater AG (Kitag) entwickelte sich zur dominierenden Betreiberin in Zürich. Gleichzeitig entstanden neue Multiplex-Kinos, die das Angebot modernisierten und erweiterten. Trotz dieser Veränderungen blieb Zürich eine bedeutende Kinostadt mit einem vielfältigen und qualitativ hochwertigen Filmangebot. Die Zürcher Kinogeschichte ist eng mit der Unternehmerfamilie Scotoni verbunden, die über Jahrzehnte zentrale Filmtheater der Stadt prägte.
Kinokrieg oder Kinohandel (ZL) /13.01.2007
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